Die ungewollte Geburtstagsfeier

jesus christmas.bmpEinen Monat vor Weihnachten nehmen meine drei Kinder regelmäßig an der „Weihnachten im Schuhkarton“ Aktion teil. Die schöne Idee dahinter ist es Kindern ein Weihnachtsgeschenk zu machen, bei denen am 24. Dezember sonst eher wenig oder nichts auf dem Gabentisch liegen würde.

Unsere Familie ist also los und Jubilee, Lukas und Kasey haben Spielzeug und Süßigkeiten zusammengesucht, über die sich „ihre“ Kinder bestimmt freuen würden.

Kasey (6) hatte ein kleines Mädchen aus Indonesien, für die sie unbedingt schöne Haarbänder kaufen wollte.

Wir haben uns dann doch dagegen entschieden. Das perverse war nämlich, dass Kaseys kleines Mädchen aus Indonesien stammte. „Die ungewollte Geburtstagsfeier“ weiterlesen

Schlammschlacht

Es gibt eine alte, überlieferte Geschichte von Jesus und seinen Jüngern, die ich sehr schön finde.

Eines Morgens gehen Jesus und seine Jünger in den See, um sich zu waschen. Als Petrus gerade dabei ist seine Füße zu schrubben, entdeckt er eine großen Matschklumpen und bekommt eine phantastische Idee. „Der liebliche Johannes, der immer so lieb tut, steht gerade in Reichweite. Mal sehen, ob der immer noch so selig guckt, wenn der auf einmal eine Hand voll Schlamm im Mund hat. „Schlammschlacht“ weiterlesen

Weniger kaufen… mehr leben

adbusterjesus.pngAls ich Sonntagnachmittag mit meiner Familie vom Bowling zurückkam waren sie wieder da. Zu Tausenden waren sie, wie Motten zum Licht, in das große Möbelhaus unserer Stadt gefahren, weil der Möbelmann 10 Euro Coupons verschickt hatte. Es hatte schon etwas von einem Zombiefilm, als sie dann alle mit ihren riesigen Plastiktüten, voll gepackt mit den neue erworbenen Schätzen zurück zu ihren Autos wanderten.
Ich hab mal irgendwo gelesen, dass die Amis mehr Geld allein für Plastiktüten ausgeben, als die Hälfte der Welt für ALLES. Soweit dahinter können wir Deutschen prozentuell gesehen auch nicht sein. „Weniger kaufen… mehr leben“ weiterlesen

Meine Freundin Jen

Versuche dir mal die folgende Szene vorzustellen: Ich habe gerade meine erste Stelle als vollzeitlicher Jugendpastor angetreten, es ist Freitagabend, Zeit für meine erste, übervorbereitete Bibelarbeit. Alles klappt hervorragend, ich frage mich gerade, warum ich überhaupt so nervös war, die Jugendgruppe lauscht gespannt meinen Worten, die Spannung steigt, ich komme langsam aber sicher zum entscheidenden Moment meiner Geschichte, da…

…springt ein 14-jähriges Mädchen aus ihrem Stuhl, rennt einmal komplett durch den Raum, zurück zu ihrem Sitz. Den Rest der Andacht konnte ich so ziemlich vergessen. Das war meine erste Begegnung mit der hyperaktiven Jen. „Meine Freundin Jen“ weiterlesen

Fairtrade Coffee nach dem Gottesdienst

Ich habe zu Hause in Kanada, wo ich lange gewohnt habe, einen guten Freund. Das witzige an dieser Freundschaft war, dass ich von Beruf und aus Überzeugung Pastor war und John, wegen etlicher schlechter Erfahrungen, mit Kirche nicht viel anfangen konnte.
„Das musst du dir so vorstellen,“ hat er mir mal erklärt, „wenn du eine ganz schlimme Erfahrung bei einem Zahnarzt hast, können die nächsten Besuche noch so schön sein, ein bisschen Angst und ein ungutes Gefühl bleiben immer. Aus dem gleichen Grund habe ich echt Probleme, in den Gottesdienst zu kommen.“

Sein Argument machte Sinn und so fand unser gemeinsamer Gottesdienst wöchentlich in unserer Lieblingskneipe, dem Lighthouse Pub, statt. „Fairtrade Coffee nach dem Gottesdienst“ weiterlesen

Theologiestunde beim Zahnarzt

… sind wir Christen wirklich an der Zerstörung der Erde schuld?

Erste Szene: Ein altes Holzhaus
Ein paar Freunde lebten vor etlichen Jahren in einem alten Holzhaus. Irgendwann teilte ihr Freund, der Vermieter, ihnen mit, dass er sein Haus demnächst gerne abreißen lassen würde, um neu zu bauen. Er scherzte sogar, dass es eine große Hilfe wäre, wenn die Wohnung aus Versehen „abfackeln“ würde, weil dann ja die Versicherung helfen würde, sein neues, schönes Heim zu finanzieren.

Jetzt kann wahrscheinlich jeder raten, mit welcher Sorgfalt meine Freunde das alte Haus nach dieser Mitteilung bewohnt haben. Es gab sowieso wenig zu retten, das Material war verbraucht und wartete nur darauf weggehauen und verbrannt zu werden. „Theologiestunde beim Zahnarzt“ weiterlesen

Kokusnuss-Ritter

Ein deutscher Theologe steht vor zwei Türen. Über der ersten steht „Himmel“, über der zweiten steht „Diskussion über den Himmel.“ Der Theologe überlegt nicht lange und geht durch die zweite Tür.“ (frei nach Helmut Thielecke)

Vor knapp drei Jahren hatte ich ein Erlebnis, das so einschneidend war, dass es meine Idee vom Christsein ziemlich über den Haufen geworfen hat.

Ich war damals Pastor einer ziemlich coolen kleinen Gemeinde in der Nähe von Vancouver. Zusammen mit einer kleinen Gruppe hatten wir diese Gemeinde gegründet, weil die meisten von uns Freunde hatten, die sich gerne mit diesem mysteriösen Gott auseinandersetzen würden, aber die existierenden Gemeinden in unserer Gegend als irrelevant und lebensfern abtaten. Wir setzten uns also das Ziel, Gemeinde sehr untraditionell und so „relevant“ wie möglich zu gestalten.

Wir legen also los! Ziemlich schnell kommen neue Leute dazu, Freundschaften entstehen, wir arbeiten und feiern zusammen, und irgendwann kommt natürlich die Frage auf: „Was muss ich machen, wenn ich in diesen ‚Gott-Klub’ eintreten möchte?“

Die Frage haben wir natürlich erwartet und fangen nun schnell damit an, regelmäßig „Gott-Klub-Beitreter“-Seminare anzubieten.


Und eines dieser Seminare hat mir dann meinen schönen Glauben versaut!
Weil ich der Pastor bin, darf ich mir die richtig guten Seminarthemen aussuchen: „Was heißt das eigentlich Christsein?“ und „Gemeinde, Kirche, Gott-Klub, wie lebt man das?“
Ich schenke mir also noch eine letzte Tasse Kaffee ein, bevor ich loslegen will. Mein Manuskript kenne ich auswendig.

Frage: Wie würdest du einen Christen definieren?
Antwort: Es gibt vier Formeln, an die man glauben muss.

1. Gute Nachricht: Gott möchte dein Freund sein.
2. Leider hast du ein Egoismus-Sünden-Problem, das dich und andere zerstört und als Gottblockade dient.
3. Aber supergute Nachricht: Gottes Sohn, Jesus, hat am Kreuz für jede Sünde bezahlt und sozusagen ein Brücke gebaut.
4. Wer das akzeptieren kann, ist sozusagen Christ und kommt in den Himmel!

Das steht also in meinem Manuskript, daran glaube ich. So ist mir seit meiner Kindheit die Bibel erklärt worden. Und plötzlich, als ich mir meine Kaffeetasse vollmache, kommt dieser doofe Gedanke, der mir meine Unterrichtslektion versaut: Alles Schwachsinn!

Wieso Schwachsinn? Ich habe doch für jede dieser Formeln mindestens drei Bibelstellen auswendig gelernt.

Aber dieser „Das stimmt so nicht!“-Gedanke geht einfach nicht weg.

Und plötzlich kommt mir ein Bild in den Kopf…


Eine Szene aus Ritter der Kokosnuss von Monty Python:
In der Szene kommen König Arthur und seine verwegenen Ritter an eine Brücke, die über eine Schlucht führt. Die Brücke wird von einem hässlichen Gnom bewacht und man muss drei Fragen richtig beantworten. Schafft man das, darf man über die Brücke gehen. Liegt man falsch, fliegt man in die Schlucht. Als sich endlich einer der Ritter traut, bekommt er die folgenden Fragen:
1. Wie heißt du?
2. Was ist deine Mission?
3. Was ist deine Lieblingsfarbe?
Einfach, er darf gehen. Doch bei den folgenden Rittern kommen dann gerne auch mal Fragen wie „Was ist die Hauptstadt von Assyrien?“ und ein paar Ritter fliegen in die Schlucht. Die Szene endet damit, dass der Gnom selbst in die Tiefe stürzt, weil er den Unterschied zwischen einer europäischen und afrikanischen Schwalbe nicht kennt.

Was hat diese blöde Szene auch nur im Entferntesten mit meiner Suche nach einer Definition eines Christen zu tun?

Ganz einfach, der Weg in den Himmel ist mir selber so ähnlich erklärt worden:

Eines Tages stehst du an der Himmelspforte und Jesus wird dich fragen: „Warum soll ich dich in meinen Himmel lassen?“

Falsche Antwort: „Weil ich noch ein bisschen besser gelebt habe als meine Frau, und die war meistens voll lieb!“ Falsch, runter in die Hölle!

Richtige Antwort: „Ich habe die vier Formeln auswendig gelernt und sie im Glauben für mich angenommen. Und, weil du es versprochen hast, Jesus, musst du mich jetzt reinlassen, ob du willst oder nicht!“


Sicherlich überspitzt, aber so ähnlich hatte ich bis jetzt geglaubt, und jetzt auf einmal der Gedanke: „Stimmt nicht! Das darfst du deinen Leuten nicht so erklären!“ Warum?

• Wenn Christsein irgendetwas mit einer Beziehung zu tun hat, lässt sich das nicht über ein paar niedliche Formeln definieren.

• Wenn Christsein etwas mit Beziehung zu tun hat, dann kann es nicht nur ein intellektuelles „Kopfding“ sein. Hauptsache du weißt und glaubst das richtige!

• Wenn Christsein etwas mit Beziehung zu tun hat, kann es nicht nur um einen Event aus der Vergangenheit gehen, an den ich glauben muss, damit meine Zukunft (Himmel) gesichert ist. Nach dem Motto: „Jesus ist vor 2000 Jahren für mich gestorben; eigentlich egal, ob er im Moment lebt oder tot ist, Hauptsache er wacht rechtzeitig auf, wenn ich vor der Himmelspforte die richtige Antwort geben muss.“ Wenn Christsein eine Freundschaft mit Jesus ist, dann muss das Ganze meine Gegenwart verändern!


Viele gute Ansätze, aber wie erkläre ich jetzt meinen zukünftigen „Gott-Klub-Beitretern“ was Jesus eigentlich wollte und was es heißt, ihm nachzufolgen? Auf einmal fühle ich mich sehr unvorbereitet. Dummes Timing für eine Glaubenskrise.

Also, was ich gerne von euch wissen möchte:

Wie hättet ihr meinen Gott-Klub-Beitretern erklärt, wie man Jesusnachfolge definiert?!